Der elektrische Grillfön

Dieses Problem ist so alt wie die Menschheit:

Man verabredet sich zum Grillen, alle warten hungrig auf das Essen. Obwohl man den Grill gewissenhaft vorbereitet hat (Grillgerät und Rost gereinigt, mit Holzkohle gefüllt und beim Anzünden ausreichend Grillanzünder benutzt) möchte er nicht "anspringen".

Es dauert ewig, bis die Kohle eine ausreichend große Hitze zum Losgrillen erreicht hat.

 

Damit nich die ersten Gäste verhungern oder sich verzweifelt über das Salatbuffet hermachen, hilft nur anstrengendes wedeln mit einem Karton, einer Zeitung oder was sonst gerade griffbereit liegt...Holzbrett, Tablett, Kehrblech etc.

 

Wer gut vorbereitet ist, bestitzt einen Grillfön mit Handkurbel. Hiermit kann man einen gezielten Luftstrom generieren, und damit der Glut auf die Sprünge helfen. Eine tolle Sache, weniger schweißtreibend und deutlich effektiver als wedeln.

 

Ich habe mir solch einen mechanischen Grillfön gekauft, natürlich den billigsten für 2,99 Euro. Nachteilig bei dem Gerät war jedoch sein geringer Wirkungsgrad. Die Kurbelenergie wurde vom Fön zu einem großen Teil in Krach ungewandelt, statt Wind zu erzeugen.

 

Deutlich komfortabler und leiser geht es mit dem eletrischen Grillfön-Umbau!

Der elektrische Grillfön

Der Bau des batteriebetriebenen Grillföns erfordert nur wenig handwerkliches Geschick. Man benötigt außer dem Kurbel-Grillfön nur folgende Teile, die sowieso jeder zuhause in seiner Bastelkiste haben sollte:

  • Flacher Kleinmotor incl. Befestigungsschrauben, beispielsweise aus einem alten CD-ROM-Laufwerk
  • Schiebe- oder Kippschalter
  • Batterieklemme für 9V-Batterien
  • 9V-Blockbatterie

 

Außerdem benötigst du folgendes Werkzeug, um meinen batteriebetriebenen Grillfön perfekt nachzubauen:

  • Schraubendreher zum öffnen des Kurbel-Föns
  • Lötgerät und etwas Lötzinn
  • Messer, Skalpell, Feile, Bohrer etc. zum Anpassen des Gehäuses
Kurbelfön in Einzelteilen
Kurbelfön in Einzelteilen

Zuerst zerlegt man den Kurbelfön in all seine Einzelteile. 

 

Dazu zieht man die Kurbel ab und löst die beiden Schrauben am Haltegriff. Nach dem Abziehen des metallenen Endrohres können beide Griffhälften auseinandergenommen und das Lüfterrad von der Welle gezogen werden. Wenn es zu fest sitzt, notfalls mit einem Messer oder Schlitzschraubendreher nachhelfen.

 

Als nächstes öffnet man das Kurbelgehäuse (3 Schrauben) und entfernt alle Zahnräder, sodass nur die drei Schraubdome stehen bleiben.

Der Motor wird zentrisch im Gehäuse platziert. Ich habe ihn mit den beiden originalen Schrauben des Motors fixiert, so wie es sich gehört. Alternativ kann man ihn einfach festkleben. Hier bieten sich Kunstharz-Kleber oder 2K-Kitt an. Heißkleber scheidet aus, schließlich geht es bei Grillen heiß her!

 

Je nach Modell muss das Gehäuse "bereinigt" werden, damit geügend Platz für den Motor herrscht. Das Entfernen des recht weichen Kunststoffes geht am besten mit einem stabilen Skalpell oder einem Teppichmesser. Hierfür kann je nach Verfügbarkeit auch ein Drehmel eingesetzt werden.

 

Im Deckel des Kurbelgehäuses passt man den Schalter ein, in meinem Fall stammte der Kippschalter aus einem alten Radio. Am besten nutzt man das Loch, durch das ursprünglich die Kurbel eingesteckt war. Das Gehäuse einfach mit Messer oder Feile an den Schalter anpassen, diesen anschließend einclipsen oder verkleben. 

Als nächsten muss geprüft werden, ob die Welle des CD-Laufwerk-Motors zufällig den gleichen Durchmesser wie das Achsloch im Lüfterrad hat. Mit etwas Glück passen die Teile perfekt zusammen. Ansonsten kann man die Motorwelle z.B. mit dünnem Schrumpfschlauch aufdicken oder mit Isolierband umwickeln. Ist das Loch kleiner als die Motorwelle: einfach aufbohren!

 

Im Kurbelgehäuse ist zu wenig Platz für unsere Batterie, doch sie passt nahezu perfekt in den Griff des Föns. Für die elektrische Leitungen zwischen Batterieklemme, Schalter und Motor, muss ein Loch gebohrt werden. Hierbei ist etwas Fingerspitzengefühl gefordert, damit man die Außenfläche des Gehäuses nicht beschädigt. Das weiche Kunststoff kann man auch mit einem spitzen Skalpell oder einer heißen Nadel durchbohren.

Wenn man hier unsauber arbeitet, erkennt man am fertigen Grillfön die Kabelführung.

 

Damit unsere 9V-Batterie in den Griff passt, müssen beide Hälften "ausgehöhlt" werden. Dies geht am besten mit roher Gewalt, einer Zange und einem Teppichmesser. 

Falls die Batterie locker in den Griff passt, kann man sie mit doppelseitigen Klebeband ankleben, mit Klebeband umwickeln damit sie dicker wird, oder die Griffhälften innen mit Schaumstoff auskleiden. Erfahrungsgemäß passt die Batterie, als wäre der Griff extra für diesen Zweck konzipiert worden. 

Nun geht es an den Zusammenbau.

Der Motor sitzt fest in Gehäuse, sein Wellendurchmesser passt perfekt in die Bohrung des Lüfterrades. Der Schalter sitzt dort wo das Loch für die Kurbel war. 

Höchste Zeit, das Lötgerät aufzuheizen.

 

Die beiden Kabel der Batterieklemme müssen durch das Loch hinüber ins Kurbelgehäuse gefädelt werden. Eines löten wir direkt an den Motor, das andere an einen Kontakt des Schalters. Weiterhin löten wir ein kurzes Kabel an den zweiten Schalterkontakt zum zweiten Motorkontakt.

 

Wichtig!

Das Lüfterrad muss gegen den Uhrzeigersinn drehen, damit der Fön bläst und nicht zum Staubsauger wird. Wer das Foto genau ansieht erkennt, dass es bei mir nicht auf Anhieb geklappt hat.

Darum habe ich das rote Kabel von der Batterie an das schwarze Kabel vom Motor gelötet.

 

Um irgendwelche Kurzschlüsse zu verhindern, wurden alle Lötstellen mit Schrumpfschlauch isoliert. Hier tut es auch einfaches Klebe- oder Isolierband. 

Die 5 Schrauben wieder ins Gehäuse eindrehen und vorne das Metallrohr aufstecken - fertig ist unser batteriebetriebener und supermobiler Grillfön.

 

Wenn Du alles richtig gemacht hast, ist er deutlich leiser als vorher mit mechanischer Kurbel. Außerdem bläst er auch viel stärker und gleichmäßiger.

Der Fön startet auf Knopfdruck, ist auch nach dem dritten Bier noch zu bedienen und besitzt eine beachtliche Batterielaufzeit:

Ich habe meinen elektrischen Grillfön nun schon seit drei Saisons im Einsatz und nutze noch immer die erste Batterie.

Fazit:

Innerhalb einer Stunde lässt sich der Billigfön in ein elektrisches Leistungswunder verwandeln. Das nur durch etwas Geschick, einfaches Handwerkszeug und ein paar Ersatzteilen aus der Bastelkiste.