Der Felgengrill bzw. Erdbeben-Grill

Es war ein herrlicher Sommertag, bestes Wetter, blauer Himmel. 

Von der Revision der Heizungsanlage war ein defekter Druckausgleichsbehälter übrig und es lag eine verbeulte 14"-Stahlfelge von meinem Renault Clio am Hof.

 

Der Ausgleichsbehälter (früher war er rot lackiert) wurde ich interessehalber mit der Flex halbiert, nur um zu sehen wie er wohl von innen aussehen würde. Außer schmutziges Wasser kam nur wenig interessantes zum Vorschein.

Spannend wurde es als ich feststellte, dass die Felge sehr gut in eine Hälfte des Druckausgleichbehälters passte.

 

Kurzerhand wurde im Ausgleichsbehälter ein Test-Feuer entzündet, das jedoch nur mäßig gut brannte. Aufgrund der geschlossenen Schale bekam das Feuer von unten her keine Luft. 

 

In Kombination mit der löchrigen Felge könnte sich dieses Problem beheben lassen. Von der Stahlfelge musste eine Wandung abgetrennt und die gesamte Felge "schwebend" in der Halbschale des Druckausgleichbehälters gelagert werden, damit das Feuer ordentlich brennen würde. Gesagt, getan.

 

Nun hatte ich einen Feuertopf (die Felge, hängend im halben Druckausgleichbehälter), bei dem die Flamme genügend Sauerstoff bekam und keine Asche oder Glutmaterial herausfallen konnte. Optimal um inmitten trockenen Waldes bei Waldbranntstufe IV oder auf der frisch geputzten Veranda ein Lagerfeuer zu entfachen. 

Schnell hatte sich das Gebilde aus rostigem Stahl als Lagerfeuertopf etabliert.

 

Dann kam die Idee auf, den Feuertopf in einen vollwertigen Grill zu verwandeln. Einen ganz speziellen Grill.

Die in der Felge vorhandenen Löcher waren zu groß, sodass die Holzkohle hindurchfallen würde.  Hierfür stückelte ich sehr große Nägel mit dem Bolzenschneider und schweißte sie anschließend in die Löcher.

 

 

Die Luftzufuhr zur Kohle kann sehr elegant geregelt werden, indem man den Spalt zwischen Felge und Schale variiert. Die Alternative wäre eine regelbare Öffnung in die Halbschale des Druckausgleichbehälters einzubringen. Dadurch wäre aber der große Vorteil, dass weder Asche noch Glut nach unten herausfallen kann, verspielt.

 

Damit die Felge stufenweise höhenverstellt werden konnte, und so die Luftzufuhr präzise zu regeln, bastelte ich aus den Zinken einer schmiedeeisernen Mistgabel zwei "Geweihe" und schweißte diese an den oberen Rand der Halbschale. In den Abzweigen kann nun die Felge eingehangen werden, in 4 verschiedenen Höhen.

Die oberste Gabelung der Geweihe ist zu schmal für die Felge. Hier findet ein Bratenspieß seinen Platz, um Hähnchen- oder Rippenfleisch über der Grillglut oder dem lodernden Holzfeuer zu braten.

Wie auf den Fotos zu erkennen, hat alles perfekt zusammengepasst und dem regelmäßigen Gebrauch stand nichts nun mehr im Wege.

Seit dem ist er einer der meist genutzten Grills in meinen Arsenal. Aufgrund der tollen Optik, der enormen Robustheit und seiner vielseitigen Verwendbarkeit.

Warum der Name "Erdbeben-Grill"?

Konstruktiv bedingt liegt die Felge an 2 Stellen auf der Feuerschale auf. Dadurch ist die Kohleschale drehbar gelagert und steht aufgrund der Schwerkraft (in einer Ebene) immer exakt waagerecht.

Das Grillgut bleibt an Ort und Stelle, selbst wenn der Grill seitlich schaukelt oder geneigt wird.

Die geschlossene Ascheschale steht auf drei Beinen und damit wackelfrei, auch auf unebenen Grund.

Bei einem wirklichen Erdbenen wird es wahrscheinlich keine Rolle spielen wenn ein Würstchen vom Grill rollt. Aber an einem Hang oder bei grob unebenen Untergrund spielt dieser Grill seinen einzigartigen Vorteil seiner kardanischen Lagerung voll aus.

 

Hierdurch ist er beispielsweise auch als Bootsgrill geeignet. Es fällt niemals Kohle, Asche oder Glut heraus (um das geölte Teakholzdeck zu ruinieren) und - korrekt ausgerichtet - das Grillgut würde selbst bei starkem seitlichen Rollen des Bootes nicht aus der Ruhe gebracht.