Der Werkzeugkasten-Grill

Dieser Grill war ein Hochzeitsgeschenk. Die beiden "Kunden" gaben mir die wichtigsten Parameter des Grillgeräts vor.

Diese waren:

  • geringes Gewicht für einen einfachen Transport
  • Grillrost ausreichend für 2,5 Personen
  • einfache Handhabung und simple Bedienung
  • kompakte Abmessungen und saubere/geschlossene Lagerung
  • stabil im Stand und als Tischgrill nutzbar

Ich setzte mich einige Tage ans Reißbrett und tüftelte, wie ich das alles unter einen Hut bringen sollte um alle Wunsch-Attribute gleichzeitig in einen repräsentativen Grill vereinigen könnte.

 

Mittlerweile hatte ich schon ein gutes Gespür, welche Gegenstände für eine Grillschale hergenommen werden kann.

Die Kohle muss ausreichend Frischluftzufuhr erhalten und darf nicht zu nahe an der Außenhaut liegen - damit sie der großen Hitze der Glut langfristig stand hält. Der Abstand zwischen Kohlenglut und Grillrost sollte etwa 8 cm betragen.

 

Nur welches Gehäuse sollte ich diesmal zweckentfremden?

Die Entscheidung fiel auf einen ausklappbaren Werkzeugkasten.

 

Um ein geeignetes Exemplar zu finden durchsuchte ich diverse Baumärkte. Doch alle dort offerierten Modelle bestanden aus sehr dünnem Blech und wurden salopp gesagt vom ihrer Lackierung zusammengehalten. So etwas kam nicht in Frage.

Daher ersteigerte ich auf Ebay einen robusten, sehr alten Werkzeugkasten.

Dieser kam ein paar Tage später an. Er war knallig grün lackiert. Und in seiner Vorgeschichte schon 2x überstrichen worden, wie sich später zeigte.

 

Diese Farbe war natürlich nicht hitzebeständig und da ich niemanden vergiften wollte musste der gesamte Lack ab. 

Hierfür zerlegte ich den Kasten in alle Bestandteile und entfernte die Farbe sorgsam mit Schleifpapier und später mit einem Abbeizmittel aus dem Baumarkt. Hartnäckige Reste schliff ich mit der Flex ab, sodass nun alle Einzelteile des Werkzeugkastens metallisch blank vorlagen.

Bevor diese nun verrosteten, lackierte sie mit einer feuerfesten und lebensmittelechten Speziallack. Dieser übersteht Temperaturen von bis zu 1200 Grad und gibt keine giftigen Substanzen frei.

 

Als Kohlewanne schweißte ich mehrere Stücke Lochblech zusammen. Ich gestaltete sie so, dass die Wanne das Blech des Werkzeugkastens nur punktuell berührte, um die thermische Belastung gering zu halten. Auch damit ein versehentliches Berühren des Grill-Gehäuses nicht schmerzlich in Erinnerung bleiben würde. Der Grill sollte schließlich sicher sein.

 

Die obere, zu beiden Seiten ausziehbaren Ebene des Werkzeugkastens verstärkte ich mit Stahlwinkeln. Damit eine Eigenstabilität gegeben war - selbst nachdem ich das gesamte Bodenblech der beiden Fächer entfernte.

Hier konnten nun die beiden Grillroste eingehängt werden. Diese schnitt ich aus einem größeren Edelstahlgrillrost heraus.

Am Ende vernietete ich alle angepassten Einzelteile des ehemaligen Werkzeugkastens. Sogar die Nieten aus Aluminium waren eine Sonderanfertigung, damit sie perfekt an den Grill passten.

 

Am Unterboden des Werkzeugkastens installierte ich eine Drosselklappe, mit der der Luftzug einfach aber präzise geregelt werden konnte. Da dieses Detail aber noch nicht patentiert ist, gibt es davon heute leider keine Fotos.

 

Als Anbauteile dienten  Griffe aus rostfreiem Stahl. Einen je seitlich als Griff an den ausziehbaren "Rosthaltern" und zwei als Standfuß des Grillgeräts.

Bei diesem Grill beeindruckt sein schlichtes Design sowie die einfache Handhabung.

Am abnehmbaren Griff kann der Grill einfach und mit einer Hand gehoben und über längere Strecken bequem getragen werden. Die beiden Klappen über dem Rost verhindern das Verschmutzen des Grills, sodass er direkt nach der Winterpause einsatzfähig ist. Diese Klappen greifen außerdem so ineinander, dass der Grill mit einem Vorhängeschloss gesichert und vor "unerlaubtem Zugriff" geschützt werden kann.

 

Aufgeklappt kann die stabile Kohlewanne einfach befüllt und die Kohle bequem entzündet werden. Sie ist aber auch herausnehmbar, etwa für eine gründliche Reinigung. 

Die Kohle liegt nicht am Grillboden auf, und selbiger hat aufgrund der Ikea-Griffe einen ausreichend großen Abstand zum Untergrund. Somit kommt dort kaum Wärme an, sodass der Grill bedenkenlos auf der Wiese und sogar auf einem Tisch betrieben werden kann.

 

Bei geschlossener Drosselklappe ist auch der Grillboden völlig geschlossen. So kann keine Asche, Glut oder sonstiger Schmutz herausfallen. Der Grill kann also nach dem Abkühlen sogar unausgeleert im Kofferraum transportiert werden, ohne den edlen Teppich zu ruinieren.

 

Bisher ist kein Nachfolgemodell geplant.