Das Carbon-Messer

Als Sammler bin ich immer auf der Suche nach dem perfekten Messer.

Nüchtern betrachtet gibt es für jede Situation ein optimales Messer. Ein Messer, das sich in jeder Situation als optimal erweist, wird es niemals geben.

Also bin ich auf der Suche nach einem Messer, das mich persönlich optimal unterstützt. Immer wenn ich es bei mir habe.

Da ich solch ein Messer in all den Jahren nicht finden konnte, baute ich es mir einfach selbst.

Bevor das Projekt "Messerbau" beginnen konnte, musste ich mir über Material, Abmessung, Design und Funktionsumfang klar werden. 

In der Konzeptphase definierte ich folgende Eigenschaften:

  • Klingenlänge max. 12 cm, damit innerhalb gesetzlichem Grenzwert
  • Full-Tang-Bauweise (stabil aufgrund durchgehender Klinge)
  • Handschutz zwischen Griff und Klinge
  • mit Bieröffner, gleichzeitig als Bithalter verwendbar
  • Fangriemenöse
  • Glasbrecher am Griffende
  • stabile Klinge
  • leichtes, schlankes Design

 

Das Messer sollte nicht als Stichwaffe sondern als Schneid- und Arbeitswerkzeug dienen. Darum wurde die Klinge relativ massiv gestaltet. An der Spitze wurde das Messer zweischneidig ausgeführt, die Oberseite ähnelt damit einer Tanto-Klinge.

Für eine bequeme und absolut definierte Handhabung wurde der Griff stark konturiert. Das Griff-Design wurde dabei exakt meinem Handabdruck nachempfunden. Damit das Messer ergonomisch perfekt in der Hand liegt und eine optimale Kraftübertragung gegeben ist.

Erster Schritt:

Nachdem das Messer grob entworfen war, wurde die Kontur der Klinge im Maßstab 1:1 auf Papier skizziert, anschließend auf festen Karton übertragen und ausgeschnitten. An diesem Modell wurde der Griff mit seinen Fingermulden solange angepasst, bis des optimal in der Hand lag.

 

Erstmal ein Karton-Modell anzufertigen um die Ergonomie des Designs zu verifizieren hört sich nach Bastelstunde im Kindergarten an. Doch hierfür gibt dafür sogar einen ingenieurswissenschaftlichen Fachbegriff: Der Spaß nennt sich Cardboard Engineering.

Die so optimierte Schablone wurde auf ein Stück Stahlblech übertragen, woraus mein Messer entstehen sollte. Ich verwendete für den Bau des Messers ein altes Sägeblatt aus dem Sägewerk. Dieses Metall ist rostfrei, säurebeständig und extrem zäh. Perfekt für mein ganz besonderes Messer.

 

Mit Flex und Schleifscheibe wurde die aufgerissene Kontur des Messers vorsichtig herausgearbeitet. Wenn man das Messer anschließend nicht erneut wärmebehandeln möchte, darf der Stahl bei der Bearbeitung auf gar keinen Fall zu warm werden. Sobald es im molekularen Aufbau des Stahls zu einer Gefügeveränderung komm, ist seine Härte und Zähigkeit dahin.

 

Also verwendete ich auf der Flex eine dünne Edelstahl-Trennscheibe und kühlte den Rohling nach jedem Schnitt mit Wasser.  

 

Der Schliff der Klinge erfolgte auf einen langsamlaufenden, wassergekühlten Schleifstein.

 

Als der fertig geschliffene Messerrohling vorlag, ging es an die Gestaltung der Griffschalen und der Messerscheide.

Da zu diesem Zeitpunkt ein CAD-System sowie eine CNC-Fräsmaschine zugänglich war, sollte beides gefräst werden.

Um die Leichtigkeit des Messers zu unterstreichen, sollten Scheide und Griff aus Kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff CFK gefräst werden.

 

CFK ist ein moderner Hochleistungs-Werkstoff, der unter anderem in Raumfahrt und Rennsport zum Einsatz kommt. Durch sein geringes spezifisches Gewicht wiegt es nur etwa 1/5 von Stahl, ist jedoch genau so belastbar.

Carbon-Messer V1 mit Scheide
Carbon-Messer V1 mit Scheide