Schmelzfeuer

Die Popularität von sogenannten "Schmelzfeuern" nimmt drastisch zu. Noch vor einem Jahr konnte mit dem Begriff kaum jemand etwas anfangen, heute kann man sie nahezu überall kaufen. Grund genug, dass wir uns diese Sache näher ansehen.

 

Was ist ein Schmelzfeuer?

Das Schmelzfeuer ist eine Art Fackel, mit der man auf elegante Art und Weise altes Kerzenwachs "recyceln" kann. Die äußere Form ähnelt einem Blumentopf. Dieser ist mit Wachs gefüllt. Mittig im Wachs schaut ein dicker "Docht" heraus. Diesen kann man wie gewohnt entzünden und die Sache brennt. 

 

Nun kommt das interessante: Der Docht schmilzt das umgebende Wachs fast vollständig und durch das Nachfüllen, dem Versenken alter Kerzenreste, kann man den Füllstand quasi endlos erhalten. 

Es ist also eine Gartenfackel, die ewig hält und an die man alte, nutzlose Kerzen- und Wachsreste verfüttern kann. Kerzenreste fallen in jedem Haushalt regelmäßig an, statt wegzuwerfen kann man diesen energetisch hochwertigen Abfall nun sinnvoll nutzen.

Eigentlich eine tolle Sache, ein tolles Produkt.

Wie alles Schöne hat die Sache aber auch einen Haken.

Es gibt nur einen Hersteller dieser Wachstöpfe, der sich das ganze System hat patentieren lassen und die Schmelzfeuer auf unverschämtem Preisniveau vertreibt. Die Kleinste Variante startet zwischen 50 und 80 Euro, für größere Exemplare kann man bis zu 200 Euro zahlen.

Das Eigenbau-Schmelzfeuer

Ich habe mir eigene Gedanken gemacht, wie man einen ähnlichen Wachstopf selbst und ausschließlich für den privaten Gebrauch herstellen und damit das System des Wachsrecyclings ebenfalls nutzen kann.

Wir sollten die Patente des Erfinders ernst nehmen. Diese verbieten es, ähnliche Schmelzfeuer mit kommerziellen Gedanken herzustellen und hierzulange zu vertreiben. Aber mich kann niemand daran hindern, mein eigenes Schmelzfeuer für den Eigengebrauch herzustellen.

 

Im Folgenden beschreibe ich, wie man mit Hausmitteln und wenig Geschick ein vollwertiges Schmelzfeuer erschaffen kann. Es ist mit Abstand billiger als das Markenprodukt und hat dem gegenüber diverse weitere Vorteile: Die Größe des Topfes und den Durchmesser des Dochtes kann man den eigenen Vorstellungen entsprechend wählen, das Design der fertigen Schale kann frei gestaltet werden. Auch kann man das Wachs mit speziellen Pigmenten einfärben, zum Beispiel in die jeweilige Lieblingsfarbe. So erhält das Eigenbau-Schmelzfeuer eine ganz individuelle Note. 

 

Als Vorbereitung für dieses Projekt habe ich mich intensiv mit der Materie befasst und diverse Vorversuche unternommen. Hier vorab ein paar Fotos vom ersten Prototyp. 

Handwerkszeug und Vorbereitung

Wie bei jedem Projekt ist der Erfolg von einer ausreichenden Vorbereitung abhängig. Um dieses hochpreisige Produkt nachzuempfinden und sogar zu verbessern ist es sinnvoll, die Funktionsweise des Schmelzfeuers zu durchblicken.

 

Onlinerecherchen ergaben, dass der Docht des Originals aus kupferumflochtenem Glasfasermaterial besteht. Je nach Version sind mehrere dieser Dochte in einem dünnwandigen Rohr aus Aluminium gebündelt, welches senkrecht mittig im Topf steht. Das Rohr ist nach unten geöffnet.

Der gesamte Topf ist mit Wachs ausgegossen, oben schaut das Alurohr mitsamt den Glasfaserdochten heraus.

 

Die Funktionsweise stellt sich folgendermaßen dar: Der Docht ist aus Glasfasern, damit er nicht verbrennt und möglichst lange hält. Wie bei einem gewöhnlichen Docht erzeugen die feinen Zwischenräume zwischen den Fasern einen Kapillareffekt, der das flüssige Wachs gegen die Schwerkraft zur Flamme transportiert. 

Der Kupferdraht sorgt für Stabilität und leitet, gemeinsam mit dem Aluminiumrohr, die Hitze der Flamme nach unten in das feste Wachs. Dieses schmitzt im und um das Rohr. Das Wachs außerhalb des Rohres fließt durch seine untere Öffnung hinein und der Docht befördert es zur Flamme. Ein relativ komplexes System, von dem wir uns aber nicht abschrecken lassen!

 

Ebenfalls aus einer Online-Recherche stammt die Information, dass ein Schmelzfeuer etwa 1 Kg Kerzenwachs innerhalb 36 Stunden verbrennt. Dies kann bei der Auslegung der Topfgröße als Richtwert dienen.

 

Zum Bau eines Schmelzfeuers benötigen wir als zuerst einen Topf, beispielsweise einen stabilen Blumenübertopf. Dieser muss aus feuerfestem Material sein. Das Original besteht aus "hitzebeständiger Spezialkeramik", im Grunde tut es aber auch jede beliebige Suppenschüssel, Koch- oder Blumentopf. Die Hitzebeständigkeit sollte zuerst einmal getestet werden. Je nach Material sollte man später darauf achten, es nicht zu schnell abzukühlen. Bei Glas und manchen Keramiken können sich dadurch Risse bilden, der Topf zersplittern und das heiße, flüssige Wachs herausfließen.

Weiterhin benötigen wir ein Metallrohr. Hier bietet sich Aluminium-Hohlprofil oder ein anderes, dünnwandiges Metallrohr an. Der Durchmesser entspricht der Größe der späteren Flamme. Größere Flamme = mehr Verbrauch. Außerdem muss der gesamte Rohrquerschnitt mit Glasfaserdocht gefüllt werden. Daher gilt auch: Größerer Durchmesser = mehr und dickere Glasfaserdochte. 

Das Rohr sollte etwas länger sein als der Topf hoch, da wir es (für einen stabilen Stand im Topf) unten nach außen umbiegen wollen.

Weiterhin benötigt man die Glasfaserdochte und einen Kupferdraht.

Glasfaserdocht kann man aus Glasfasermatten selbst herstellen, aber auch fertig kaufen.

Einen soliden Kupferdraht erhält man, indem man ein Elektroinstallationskabel strippt. Hier musst du darauf achten, dass das Kabel aus massiven Kupfer (Durchmesser etwa 1mm) und nicht aus vielen ganz dünnen Drähten besteht. Diese Kupferfäden wären viel zu flexibel für unseren Zweck.

Der Topf

Das Schmelzfeuer wird bei Gebrauch warm. So warm, dass nahezu das gesamte Wachs aufgeschmolzen wird. Denn nur so kann es wie gewünscht funktionieren.

Der Schmelzpunkt von Kerzenwachs liegt abhängig von der Sorte zwischen 60 und 90 °C, der Siedepunkt zwischen 220 und 290 °C. Ich schätze die Temperatur innerhalb des Schmelzfeuertopfes auf maximal 150 bis 200 Grad.

Für das Schmelzfeuer eignen sich Töpfe aus Stahl- und Aluminiumlegierungen in jeder Hinsicht, worauf diese aufgrund der guten Wärmeleitfähigkeit des Metalls äußerlich sehr heiß werden und darum auf eine feuerfeste Unterlage zu achten ist.

Töpfe aus Glas, Ton, oder Keramik sollten dieser Temperatur ebenfalls problemlos standhalten, doch sind diese Werkstoffe empfindlich gegenüber starken Temperaturschwankungen. Es gibt Keramiken und spezielle Gläser, denen Thermoschocks nichts anhaben können - doch sieht man dem Material diese Eigenschaft nicht an.

Sicherster Weg: Wir verwenden alte und nichtmehr benötigte Töpfe oder Schalen. Sollen sie zu Bruch gehen, ist der Schaden überschaubar.

Außerdem sollten wir unser Schmelzfeuer von allem Brennbaren fernhalten.

Neben der Brandgefahr besteht das Risiko, Lebewesen oder Gegenstände mit heißem Wachs (bis zu 300 Grad warm) zu Bespritzen oder zu Übergiessen. Wir wollen Personen- und Sachschäden möglichst vermeiden, weshalb der Topf zudem eine ebene und ausreichend große Bodenfäche aufweisen sollte.

 

Für mein Schmelzfeuer verwende ich einen relativ stabil anmutenden Blumen-Übertopf aus dem Baumarkt. Durchmesser 10 -15 cm, Höhe 15 cm, Preis 8 Euro. Für den ersten Prototypen benutzte ich einen Terrakotta-Pflanztopf (ohne Loch im Boden!) den ich noch auf Lager hatte.

Das Rohr

Als Rohr verwendete ich ein dünnwandiges Aluminiumrohr mit einem Außendurchmesser von 25 mm. Das hatte ich vorrätig und es sollte eine ordentliche Flammengröße ergeben. Das Rohr des Originals ist ebenfalls aus Alu, dessen Durchmesser schätze ich auf etwa 30 mm. Sei deshalb dessen Flamme geringfügig größer, erwarte ich für mein Schmelzfeuer einen Wachsverbrauch von weniger als 1 Kg pro 36 Stunden.

 

Das Rohr sollte auf dem Boden des Topfes stehen und nicht umfallen können, auch wenn das Wachs vollständig geschmolzen ist. Daher bastelte ich eine Bodenplatte, die in den Topf passte und befestigte das Rohr senkrecht darauf.

Da die Platte das Rohr nach unten abschloss, konnte das Wachs dort nichtmehr hineinfliesen um über den Docht zur Flamme zu gelangen. Darum bohrte ich seitlich in Rohr mehrere große Löcher. Je mehr Löcher umso besser.

Die oberen Zentimeter des Rohres müssen nicht durchlöchert werden, der Optik halber. Außerdem markieren die Löcher den Pegel, ab wann man wieder neues Wachs nachfüllen sollte.

 

Zur Befestigung der Bodenplatte bohrte ich am unteren Rand des Rohres 4 weitere Löcher. Um 45° versetzt zu diesen Bohrungen säge ich das Rohr zweimal ein, etwa 2-3 cm tief. Anschließend klappe ich diese "Flügel" um 90° nach außen und plattierte sie mit einem Hammer. 

Ich setzte das Rohr auf die Grundplatte, bohrte die Löcher nach und vernietete beide Aluteile.

Nun konnte das Rohr in den Topf eingesetzt werden. Da die Grundplatte geringfügig größer war als der untere Topfinnendurchmesser, verklemmt sie sich dort und das Rohr saß stabil und annähernd senkrecht in der Mitte des Topfes.

Der Glasfaserdocht

Ich habe im Baumarkt keinen Glasfaserdocht finden können, weshalb ich ihn einfach selbst bastelte. Beim Umgang mit Glasfasermaterial sollte man unbedingt Handschuhe tragen, da nahezu unsichtbar kleine Stücke herausbrechen werden und ein unangenehmes Jucken und Stechen an den Handflächen und Fingern hervorrufen. Im Allgemeinen sollte es aber ungiftig sein, es handelt sich ja schließlich nur um Glas.

 

Aus einer Glasfasermatte für die Herstellung von GFK-Laminaten löste ich mehrere Reihen heraus. Die Länge betrug etwas mehr als die dreifache Rohrlänge, also etwa 50 cm. An einem Ende verknotete ich den Strang und spannte ihn in den Schraubstock. Anschließend teilte ich den Strang in drei gleichgroße Bündel und verflechtete diese miteinander. Dies erfordert etwas Geschick, doch danach hat man aber genug Übung und Geduld, seiner Freundin die hübschesten Zöpfe zu flechten.

Nach dem Flechten muss man wieder einen Knoten in den Glasfaserstrang machen und ihn gleichmäßig mit Kupferdraht umwickeln.

Dieser Schritt wird auch nötig, wenn man einen fertigen Glasfaserdocht käuflich erworben hat. 

Also: Docht und Draht in den Schraubstock spannen und das Kupfer gleichmäßig und fest um den Docht wickeln. Fertig ist der Docht-Rohling.

Der Einfachheit halber nahm ich den Glasfaserdocht jeweils doppelt. So konnte ich sie leichter in das Rohr stecken und die Anzahl der benötigten Dochte halbierte sich. 

In meinem Fall genügten zwei Dochte mit einer Länge von etwa 40 cm. Sie wurden mittig geknickt und konnten auf diese Weise einfach und ohne Gewalt in das Rohr eingeführt werden. Anschließend schnitt ich alle Fasern auf Höhe der Rohrmündung ab. Das ging am besten mit einer stabilen Schere bzw. Blechschere. Hierbei muss man Glasfasermaterial und den Kupferdraht durchtrennen!

Befüllung und Fertigstellung

Jetzt war das Schmelzfeuer nahezu fertig und musste nur noch mit flüssigem Wachs befüllt werden.

Hierbei gibt es einiges zu beachten!

Beim Schmelzen vom Wachs entstehen Dämpfe, weshalb man am besten unter freiem Himmel arbeitet. Man kann hierzu eine alte Herdplatte nutzen oder erwärmt das Wachs direkt mit einer offenen Flamme.

In jedem Fall sollte die Verdampfungstemperatur von Wachs unterschreiten, da es sich sinst selbsttätig entzünden kann. Falls das gesamte Wachs plötzlich in Flammen steht, sollte man das Feuer sofort ersticken. Hierzu am besten einen alten Topfdeckel o.ä. bereitlegen.

 

Überhitztes Wachs niemals mit Wasser löschen! Wie bei einem Fettbrand würde das Löschwasser explosionsartig verdampfen, flüssige Wachströpfchen mitreißen und eine große Stichflamme erzeugen. Sehr gefährlich!

 

Bei der Verarbeiung ansich ist höchste Vorsicht geboten:

Geschmolzenes Wachs ist außerdem sehr heiß, man kann sich damit schnell und übel die Finger verbrennen (am eigenen Leib getestet). Außerdem sollte man damit rechnen, dass etwas Wachs daneben spritzt und die Unterlage entsprechend beschmutzt wird.

 

Neben jeder Menge Kerzenreste brauchen wir: 

  • Einen alten Topf mit Griffen und einen passenden Deckel
  • Hitzequelle: Herdplatte, Gaskocher oder Lötlampe
  • Feuerfeste Unterlage
  • Pinzette zum entfernen alter Kerzendochte
  • Handschuhe und Schutzbrille

 

Man legt die Kerzenreste in einen metallenen, auf jeden Fall feuerfesten Topf und erhitzt sie bis zur Schmelztemperatur.

Alte Dochte können die Bohrungen unseres Schmelzfeuers verstopfen und müssen daher aus dem geschmolzenen Wachs gefischt werden. Am besten mit einer langen Pinzette oder Flachzange.

Das Wachs wird sehr flüssig (niedrigviskos) und muss nunmehr langsam und sorgfältig in den vorbereiteten Blumentopf gegossen werden.

Zum Füllen des Blumentopfes benötige ich mehr Wachs als gedacht, weshalb ich mehr Kerzenreste beschaffen musste. Der Schmelztopf war außerdem zu klein, weshalb ich die Kerzen einzeln schmolz und den Topf in mehreren Etappen befüllte.

Hierbei muss man keine Angst haben, das Wachs würde erstarren. Das Erstarren des Wachses dauert deutlich länger als das schmelzen, zur Unterstützung nahm ich meinen selbstgebauten batteriebetriebenen Grillfön zur Hand.

 

Auch schon bevor das Wachs erstarrt ist, kann man einen ersten Brennversuch unternehmen. Wie bei einer normalen Kerze dauert das erstmalige Entzünden des Dochtes einige Sekunden, doch dann erhält man eine schön große und helle Flamme. Fertig ist das Eigenbau-Schmelzfeuer.

Fazit:

Alles in allem war das Schmelzfeuer innerhalb eines halben Tages erschaffen. Die Metallarbeiten am Rohr waren in weniger als 1/2 Stunde abgeschlossen, wobei ich hier auf meine praktische Erfahrung und eine gut ausgestattete Bastelwerkstatt zurückgreifen konnte. Das Schmelzen des Wachses dauerte hingegen länger als gedacht. Ich benötigte hierfür deutlich über eine Stunde. 

Doch die Anstrengung hat sich gelohnt und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Mein Schmelzfeuer wird mir sicher viel Freude bereiten, da ich nun nie wieder meine Kerzenreste im Hausmüll entsorgen muss.

 

Viel Erfolg, Kreativität und Spaß beim Bau deines persönlichen Schmelzfeuers!

Wachs schmelzen im Schmelzfeuer
Schmelzfeuer im Einsatz